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Training
Aktualisiert (Dienstag, den 14. September 2010 um 08:04 Uhr)
"Kann ich mein junges Pferd selbst anreiten?"
Wer ist noch nicht mit der spannenden Frage konfrontiert worden: "Bilde ich mein junges Pferd selbst aus oder gebe ich es zu einem Trainer?" In seinem in Kürze erscheinenden Buch "Basistraining für Pferde" stellt Bernd Hackl eine Checkliste von zehn Fragen vor, die bei der Entscheidungsfindung hilft.
Reiten Sie ihr junges Pferd nun selber an oder geben Sie es ins Training? Bei vielen Pferdebesitzern kommt die Antwort recht schnell - natürlich selber. Da wird der finanzielle Aspekt über jede andere Überlegung gestellt. Aber mit Sicherheit fällt die Entscheidung, das Pferd für einige Monate in fremde Hände und in eine fremde Umgebung zu geben, auch nicht leicht. Alles Dinge, die mitbedacht werden müssen. Wenn Sie also entschlossen sind, alles selbst zu machen, beantworten Sie die folgenden Fragen offen und ehrlich:
- Haben Sie auf Ihrer Anlage einen Round Pen, einen eingezäunten Reitplatz oder eine Reithalle zur Verfügung, wo Sie ungestört und ohne Gefahr für Mensch und Tier ein Training durchführen können?
- Sind Sie ein Mensch, der in jeder Situation Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlt, selten die Beherrschung verliert, gleichzeitig aber auch die nötige Konsequenz besitzt, um das jeweilige Trainingsziel zu erreichen?
- Haben Sie die ausreichende körperliche Fitness und Gewandtheit, die beim Anreiten bzw. Bereiten junger Pferde benötigt werden, da diese erfahrungsgemäß selbst noch eine Weile Schwierigkeiten mit der Balance haben.
- Angenommen, Ihr hoffnungsvolles Jungpferd hat erst mal eine ganz andere Meinung von Sattel und Reitergewicht - sind Sie körperlich und mental in der Lage, beim Bocken, Steigen oder Losrennen der Situation entsprechend ruhig und besonnen zu reagieren?
- Haben Sie neben Ihrer Haupttätigkeit so viel Zeit, dass Sie sich jeden Tag ohne Druck und Stress Ihrem Jungpferd widmen können?
- Haben Sie bereits bei oder mit anderen Jungpferden Erfahrungen sammeln können?
- Sind Sie in der Lage, schwierige Situationen im Training vorausschauend und leidenschaftslos zu beurteilen, um sie in den Griff zu bekommen?
- Haben Sie eine feine und leichte Zügelhand, um das empfindliche Maul des jungen Pferdes nicht zu irritieren, es aber dennoch mit der Zeit an ein Gebiss zu gewöhnen?
- Haben Sie die reiterliche Erfahrung, nach erfolgreichem Anreiten Ihr Pferd in Richtung Versammlung zu trainieren, was eigentlich nichts anderes bedeutet, als alle Muskelpartien so weiterzuentwickeln, dass das Pferd ein Reitergewicht ohne körperliche Schäden lange Jahre tragen kann?
- Haben Sie in Ihrer Nähe einen mit jungen Pferden erfahrenen Ausbilder, der Ihnen notfalls wertvolle Tipps geben kann und wird?
Wenn Sie alle zehn Fragen guten Gewissens mit einem deutlichen "Ja" beantwortet haben, gehören Sie zu einer kleinen Gruppe von Pferdemenschen, die auch ein gutes Händchen für junge Pferde haben. Konnten Sie über die Hälfte bejahen, gehören Sie vielleicht zu den guten Reitern, die unter Mithilfe eines Profis die gewünschten Fortschritte mit ihrem jungen Pferd verbuchen können. Allen anderen sei jedoch dringend geraten, ihr viel versprechendes Jungpferd in die Hände eines seriösen Trainers zu geben - nach gründlicher Prüfung seiner Arbeit selbstverständlich. Sie sollten rechtzeitig - also einige Monate vor dem eventuellen Termin - die in Frage kommenden Trainer unter die Lupe nehmen. Nehmen Sie sich Zeit, erwarten Sie auch von dem Trainer, dass er sich für Ihre Fragen Zeit nimmt und Ihnen seine Arbeit zeigt. Lassen Sie sich nicht nur von klingenden Titeln und glitzernden Pokalen leiten. Erfolge auf einem Turnier und die Arbeit mit jungen Pferden sind in der Regel zwei Paar Stiefel.
Das Anreiten von Jungpferden ist häufig eine Art "Abfallprodukt" im großen Spektrum des Reitsports. Es ist sehr zeitintensiv, der gewünschte Erfolg lässt manchmal lange auf sich warten. Lassen Sie sich bei der Wahl des Trainers ruhig von Ihrem Gefühl leiten. Wenn der Profi gleich die ersten Turniererfolge Ihres Pferdes im Auge hat, überspringt er einige Monate des Wachsens und Reifens. Und das geht wiederum zu Lasten einer langen Lebensdauer des Pferdes. Ausschlaggebend ist auch nicht unbedingt, nach welcher Methode Ihr Pferd angeritten wird. Es spielt keine Rolle, ob der Trainer oder die Methode, nach der er arbeitet, einen klangvollen Namen hat oder nicht. Es ist letztendlich nur wichtig, was unter dem Strich für alle Beteiligten dabei herauskommt. Der Sicherheitsgedanke und die Freude sollten dabei an erster Stelle stehen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Ausbildungsmethode passt zu Ihrem Pferd und Sie kommen im Alltag damit zurecht, dann kann sie nicht so verkehrt sein.
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des blv-Verlag
Übung macht den Meister
Hand aufs Herz: Trainieren Sie Ihr Pferd auf der Basis eines ausgearbeiteten Trainingskonzeptes? Planen Sie kurzfristig - also die nächsten Tage und Wochen? Vielleicht sogar mittel- und langfristig (mehrjährig)? Berücksichtigen Sie Regenerationsphasen? Kennen Sie den Begriff der “Superkompensation”? Oder vertrauen Sie einfach auf Ihren “gesunden Pferdeverstand” und Ihre Wettkampfergebnisse geben Ihnen mehr oder weniger recht?
Keine Angst - wir wollen Ihnen kein schlechtes Gewissen machen. Reitergefühl und Sachverstand für Ihr Pferd sind auch durch den ausgeklügelsten Trainingsplan nicht zu ersetzen. Allerdings sollen Ihnen die folgenden Tipps und Aspekte eines systematischen Trainingsaufbaus zeigen, dass es durchaus Sinn macht, sich mit den Grundlagen der Trainingslehre zu beschäftigen. Ganz egal, ob Sie Ihr Pferd für einen mehrtägigen Wanderritt fit machen wollen oder ob Sie bei den nächsten Weltreiterspielen starten wollen.
Wie fange ich an?
Abgesehen von Ihren eigenen, ganz persönlichen Voraussetzungen (u.a. Zeitfaktor, finanzieller Rahmen) sollten Sie die Gesamtsituation Ihres Pferdes möglichst sachlich beurteilen, also den “Ist-Zustand” ermitteln:
- Was lassen Rasse, Alter, Körperbau erwarten?
- Wie ist der aktuelle Gesundheits- und Leistungs- zustand.
- Wie ist der konditionelle Zustand (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer)?
- Wie ist der koordinative Trainingszustand?
- Wie ist der Ausbildungsstand?
- Welche Veranlagungen und innere Leistungs- bereitschaft bringt das Pferd mit?
Das Trainingskonzept
Erarbeiten Sie nach Ermittlung des Ist-Zustandes (siehe “Wie fange ich an?”) einen langfristigen, mehrjährigen Trainingsplan mit konkreten Zielen (z.B.: “In drei Jahren möchte ich bei einer M-Dressur platziert sein”). Darin eingebettet erstellen Sie einen Jahresplan mit Saison-Höhepunkten und Trainingsperioden. Der Jahresplan schließlich enthält die Wochenpläne mit den einzelnen Trainingseinheiten.
Das Training von Pferden beinhaltet zwei Grundbereiche: Kondition (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer) und die eigentlichen disziplintechnischen Anforderungen. Legen Sie sich für jedes Pferd ein Trainingstagebuch an (Eintrag in einen Kalender, Formular, PC, etc.). Dadurch können Sie Ihr Training sowie Erfolge und Misserfolge kontrollieren und gegebenenfalls den Trainingsplan umstellen.
Die drei “klassischen” Fehler
- “Viel bringt viel”. Unnötig harte Arbeit und zu kurze Regenerationszeiten können zu schleichenden Schäden und Verletzungen führen (siehe auch “Superkompensation -Training und Erholung”). Muskeln signalisieren Überlastungen durch Schmerz (“Muskelkater”), Schäden an Sehnen und Bändern und Gelenken sind erst zu bemerken, wenn es zu spät ist.
- “Zu wenig” . Unangemessene Rücksicht ist genauso falsch. Der Leistungszuwachs reicht nicht aus und führt im Wettkampf zu Überforderung und möglichen Verletzungen.
- “Das Erfolgsrezept für alle Pferde” gibt es nicht. Was für das eine Pferd richtig ist, kann für das nächste Pferd zuviel oder zu wenig sein. Achten Sie auf die individuelle Anpassung Ihres Trainingskonzeptes auf Ihr Pferd!
Training nicht zu schnell steigern!
Steigern Sie die Trainingsreize nicht zu schnell! Nicht alle körperlichen Organe bzw. Systeme passen sich gleich schnell an das Training an. Während sich beispielsweise der Stoffwechsel in recht kurzer Zeit an regelmäßige Beanspruchnung gewöhnt, benötigen Gelenke mehrere Monate zur Verbesserung der Beweglichkeit.
Superkompensation - Training und Erholung
Nicht allein das Training sorgt für eine dauerhafte Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Kondition. Entscheidend ist die Phase nach dem Training: die Pause und die Art des Pausierens. Unmittelbar nach dem Training ist das Pferd weniger leistungsfähig. Erst nach einer geeigneten Erholung nimmt die Belastbarkeit wieder zu. Je nach Art und Intensität der Belastung sind für die Regeneration mehrere Stunden bis mehrere Tage notwendig. Diese Anpassung nach dem Training folgt dem Prinzip der Superkompensation.
Während der Erholungsphase regeneriert sich der Körper und ersetzt Strukturen wie Muskelzellen und Bindegewebe. Er füllt die Energiespeicher wieder auf und gleicht die Verluste an Wasser und Mineralien aus. Als ein Vorgang der Anpassung bildet der Körper ein “Mehr” an Kondition (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer)und ermöglicht dadurch bei Wiederbelastung eine höhere Schwelle bis zur Ermüdung und auch eine schnellere Regeneration. Findet kein ständiges Training statt, baut der Körper die neu entstandenen Strukturen wieder ab. Die höhere Leistungsfähigkeit geht verloren.
Die Regeneration
Die richtige Erholung legt den Grundstein für den Erfolg der nächsten Trainingseinheit. Und sie beginnt mit dem “Abwärmen”. Je stärker die Belastung war, desto mehr Zeit sollten Sie sich für Ausgaloppieren - Traben - Schritt nehmen. Nach maximaler Belastung sind Maßnahmen zur Abkühlung (Wassergüsse, kühle Umschläge) notwendig. Unmittelbar danach muss der Wasserhaushalt ausgeglichen werden. Dosieren Sie Elektrolyte und Mineralien individuell und nach Belastung. Dies gilt auch für die Nahrungszufuhr. Energiedepots und Gewebestrukturen werden wieder und weiter aufgebaut. Vergessen Sie nicht die Kontrolle auf Verletzungen und Überlastungsschäden. Von Vorteil kann auch eine Ergänzung mit physiotherapeutischen Maßnahmen (Massagen, passives Stretching, etc.) sein.
Die auf diesen Seiten vorgestellten Tipps und Anregungen und vieles mehr zum Thema Verbesserung der Leistungsfähigkeit finden Sie in dem Buch “Pferde richtig trainieren” von der Sportwissenschaftlerin Dr. Christine Heipertz-Hengst.



