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Hufrehe

Aktualisiert (Freitag, den 12. November 2010 um 14:22 Uhr)

Hufrehe: Wenn das Hufbein nach vorne kippt

Eine Hiobsbotschaft für jede/n Reiter/in: Diagnose Hufrehe. Die Heilungschancen für diese häufig auftretende Huferkrankung stehen schlecht, zu spät erkannt, kann sie zum Tod des Pferden führen.

Unter Hufrehe - auch Hufverschlag oder Rehe genannt - versteht man eine nichtinfektiöse, für das Pferd sehr schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut. Meist sind beide Vorderhufe davon betroffen, selten alle vier Hufe.

Die Huflederhaut ist die entscheidende Nahtstelle zwischen dem Hufbein und der Hufkapsel. Sie sorgt für den Zusammenhalt zwischen Knochen (Hufbein) und den Hufblättchen. Darüber hinaus ist sie für die Hornbildung verantwortlich. Durchblutungsstörungen führen zum Austritt von Blutwasser, die Verbindung zwischen Hufbein und Hufkapsel lockert sich. Die Folge: es kommt zu der gefürchteten Senkung und Drehung des Hufbeins. Im Extremfall kann es die Hufsohle durchdringen.

Nicht ganz einfach gestaltet sich die Ursachenforschung: neben zu hoher bzw. falscher Belastung sind häufig Fütterungsfehler für eine Rehe verantwortlich. Dazu gehören vor allem die übermäßige Aufnahme von kohlehydratreichen Futtermitteln (Gerste, Mais, Hafer, unreifes Getreide, Melasse, junges Weidegras) aber auch der plötzliche Futterwechsel i8m Frühjahr. Besonders der erste Weidewuchs weist neben hohen Energiegehalten auch erhöhte Eiweißgehalte auf.

Zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen zählen: eine möglichst exakte Rationsberechnung, besonders die leistungsgerechte Kraftfutterzuteilung; außerdem sind im Frühjahr die Weidegänge nur langsam zu steigern.

 

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Die Heilungschancen
Die Heilungschancen für diese häufig auftretende Huferkrankung stehen schlecht; zu spät erkannt, kann sie zum Tod des Pferdes führen. Der Begriff "Rehe" geht auf den altdeutschen Wortstamm "räh" zurück und bedeutet "steif". Das Wort beschreibt eines der typischen Symptome der Hufrehe.

Das erkrankte Pferd bewegt sich nur mühsam und steif vorwärts, beim Stehen stellt es die Vorderbeine schräg vor, um sie zu entlasten und dadurch die starken Schmerzen zu verringern.

Wenn das Hufbein nach vorne kippt:
Die Hufrehe kann verschiedene Ursachen haben und wird durch eine Durchblutungsstörung der Huflederhaut ausgelöst. Durch die geschädigten Blutgefäße der Lederhaut tritt Blut und Zellwasser aus und sammelt sich zwischen Hufbein und Hornwand an. Der Druck im Huf löst starke Schmerzen aus - vergleichbar, wenn man sich mit dem Hammer auf den Finger gehauen hat. Die Entzündung schwächt die Huflederhaut und lockert die Hufbein/Hornwand-Verbindung. Die Folge: es kommt zu der gefürchteten Drehung und Senkung des Hufbeines. Im schlimmsten Fall drückt sich der Knochen durch die Sohle durch oder die Hornkapsel löst sich vollständig ("Ausschuhen").

Ursache Fruktane:
Die Annahme, dass vor allem Eiweiße die Rehe auslösen, gilt als überholt. Untersuchungen zeigen, dass ein Kohlenhydrat - das langkettige Zuckermolekül namens Fruktan - ab bestimmten Konzentrationen die Hauptrolle bei der Entstehung von Hufrehe spielt.

Wann entstehen Fruktane?
Tagsüber produziert die Pflanze mittels Photosynthese Energie. Je wärmer und feuchter desto intensiver läuft die Photosynthese ab. Die dadurch produzierte Energie verbraucht die Pflanze vor allem nachts für das Wachstum. Bildet die Pflanze mehr Energie als sie zum Wachsen benötigt, legt sie Zwischenspeicher an: die Fruktane. Diese überschüssige Energie speichert die Pflanze hauptsächlich im Stängel.

Wovon hängt der Fruktangehalt hab?
Eine entscheidende Rolle spielt die Pflanzenart. Der Fruktan-Gehalt in Weidelgräsern ist höher als in den Sorten Wiesenfuchsschwanz, Wiesenlieschgras, Rotschwingel oder Knaulgras.
Warme sonnige Tage (hohe Energie-Produktion) gefolgt von frostigen Nächten (geringes Wachstum) führen zu einem Energieüberschuss. Das Fruktan-Risiko steigt! Insbesondere im Frühjahr und Herbst muss mit höheren Fruktan-Gehalten gerechnet werden.
Wird Gras frisch gemäht, verursacht das bei den Pflanzen Stress. Dies wiederum erhöht die Fruktan-Produktion.

Warum ist Fruktan so schädlich?
Das Kohlenhydrat Fruktan gelangt fast unverdaut in den Dickdarm des Pferdes, der nicht auf die Verarbeitung so großer Fruktan-Mengen ausgelegt ist. Der schnelle Abbau führt zu einer Übersäuerung des Darminhaltes und verdrängt die natürliche Darmflora. Gleichzeitig sterben vorhandene Darmbakterien ab und bilden Gifte. Diese gelangen über die Darmwand in die Blutbahn und können so die Hufrehe auslösen. Das ist übrigens der gleiche Grund, aus dem eine Hufrehe durch zuviel Kraftfutter (Stärke) ausgelöst wird.

Was können Sie tun?

  • Lassen Sie rehegefährdete Pferde keinesfalls an einem frostigen und sonnigen Morgen auf die Weide (hohe Fruktan-Konzentrationen). Ideal ist der Weidegang bei (dunkler) Bewölkung (reduzierte Photosynthese) sowie bei feucht-warmen Bedingungen (Pflanze verbraucht viel Energie zum Wachsen).
  • Bei lauen Nächten ist es sinnvoll die Pferde spät nachts auf die Weide zu lassen und am Morgen, wenn die Sonnenstrahlung zunimmt, von der Koppel holen.
  • Vermeiden Sie frisch abgemähte Weiden, da das unter Stress stehende Gras erhöhte Fruktan-Mengen produziert.
  • Durch die Wahl fruktanarmer Grassorten senken Sie den Fruktan-Gehalt auf der Weide.