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Plagegeister

Aktualisiert (Dienstag, den 30. November 1999 um 00:00 Uhr)

Würmer, Bremsen, Knitzen und Co

Ein Ernährungskonzept gegen Plagegeister

Neben den Würmern, die mehr oder weniger ständig die Gesundheit unserer Pferde bedrohen, gehören auch sogenannte Ektoparasiten zu den Quälgeistern, die uns regelmäßig im Sommer plagen. Die zu den Ektoparasiten zählenden Milben, Zecken und Steckmücken sind nur einige Beispiele, die nicht nur lästig sind sondern oft gefährliche Erkrankungen im Schlepptau führen. Manche kann man mit bloßem Auge erkennen, andere wiederum werden oft spät durch die entstehende Erkrankung des Wirtstieres erkannt.

Ektoparasiten leben auf anderen Organismen, meistens auf deren Haut oder in deren Fell und nehmen Blut oder Hautsubstanzen auf. Dabei dringen sie auch oft mit speziellen Organen in das Wirtstier ein und leben dort von dessen Blut oder Hautschuppen. Während sich Blutsauger wie Stechmücken und Zecken temporär auf ihrem Wirt aufhalten und nach der Sättigung wieder anderen Beschäftigungen nachgehen, verbringen Milben oder Haarlinge gerne ihr gesamtes Leben und das ihrer nachfolgender Generationen auf der Haut des Wirtstieres. Haarlinge zählen zur Ordnung der Tierläuse und zählen wie Stechfliegen, Knitzen oder Bremsen zu den Insekten. Zecken und Milben hingegen gehören zur Klasse der Spinnentiere (zu denen neben den Spinnen auch die Skorpione zählen).

Lästige Plage

Ektoparasiten können nicht nur Juckreiz oder Hauterkrankungen auslösen, sondern auch das Allgemeinbefinden schwächen und Krankheiten übertragen. Von Zecken ist uns die Übertragung der Borreliose bekannt. Was uns in Zukunft erwarten wird, ist die Bedrohung durch die Auwaldzecke (Familie der Schildzecken, Ixoditae), die als Überträger der Piroplasmose gelten. Der Erreger Theilerioa equi bzw. auch Babesia equi gelangt über den Speichel der Zecke in die roten Blutkörperchen. Ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenbiss können Fieber und mangelnder Appetit, Kolikerscheinungen oder dunkelgefärbter Harn die Infektion mit Piroplasmose anzeigen, die nicht selten zum Tod des Pferdes führen kann. Die Ausbreitung der Auwaldzecke wird durch Feuchtgebiete gefördert und stellt ein ernstzunehmendes Problem dar.

Harmloser aber trotzdem extrem nervend ist der Befall mit Milben. Milben sind mit dem bloßen Auge unsichtbar, leben praktisch überall auf der Erde, ob in der Wüste oder im ewigen Eis, auf dem Land wie im Wasser. Die als Krätz- oder Räudemilbe (Sarcoptidae) bezeichneten kleinen Blutsauger rufen Krätze und Räude hervor. Ein schwaches Immunsystem, die Unterernährung mit Spurenstoffen, vor allem Zink, das Alter und vorangegangene Erkrankungen sowie gleichzeitiger Wurmbefall fördern die Anfälligkeit für die Ausbreitung von Hautmilben.

Die Milben werden direkt von Pferd zu Pferd bis hin zum Menschen und weniger über das Putzzeug übertragen. Der Befall zeigt sich in Hautknötchen, -krusten, -borken oder -verdickungen, die sich entzünden können und zu Juckreiz bis hin zu offenen Wunden führen. Der Milbenbefall kann am Widerist beginnen, aber meist im Bereich der Hinterbeine und des Schweifes auftreten und sich von dort aus ausbreiten.

Lockmittel: saurer Stoffwechsel

Stechmücken und Bremsen sind hämatophage Insektenarten, das heißt, sie sind auf die kurzfristige Aufnahme von Blut aus. Sie überfallen oft in Horden Pferde bei Ausritten oder auf der Weide und beanspruchen für sich etwas Nahrung für ihre zukünftige Brut. Auch hier können neben Juckreiz und Allergien Krankheiten ausgelöst werden. Bekannt ist die Kriebelmücke, die allen Pferdehaltern, vor allem denen, deren Pferd unter Sommerekzem neigt, den Schweiß auf die Stirn treibt. Nicht alle Kriebelmücken saugen Blut, aber wenn Sie es an Bauchnaht und Ohrmuscheln tun, können sie toxischen Stoffe in die Wunde injizieren, die eitrige Entzündungen bis hin zur Blutvergiftung hervorrufen können. In Afrika und Amerika gibt es sogar Kriebelmückarten, die den Fadenwurm übertragen.

In unseren Breiten findet man gottlob keine blutsaugenden Insekten wie die Sandfliege, die die Leishmanose übertragen oder die Tsetsefliege, die die Trypanosomose überträgt. Bekannt, aber noch keine Gefahr bei uns ist die im tropischen und subtropischen Zonen heimische Anophelesmücke, die als Überträger der Malaria gilt.

Aber auch heimische Flöhe, Läuse und sogar die gemeine Stallfliege stechen und saugen Blut. Dabei kommt es mindestens zur Übertragung von Viren und Bakterien. Das Ungeziefer wird über den ausgeatmeten Kohlenstoff und die über den Schweiß ausgeschiedene Milchsäure angelockt. Tatsache ist, dass jeder schon beobachtet hat, dass manche Pferde mehr und anderer weniger oft von Mücken belästigt werden. Dies legt nahe, dass die Beeinträchtigung durch Stechmücken mit dem Stoffwechsel in Richtung Säure-Base-Haushalt zu tun haben könnte.

Vorsorge und Behandlung

Der Befall mit Ektoparasiten und deren Folgen ist tierärztlich zu behandeln, allerdings lassen sich diverse Vorsorgemaßnahmen treffen, damit es erst gar nicht so weit kommt und auch Fliegenspray eingespart werden kann.

Hier sind an allererster Stelle eine bedarfsgerechte und nährstoffbalanzierte Fütterung zu nennen. Ganz besonders sollte auf Nährstoffe geachtet werden, die für eine gute Hautstruktur und einen perfekt funktionierenden Stoffwechsel wichtig sind. Dazu zählen an erster Stelle die Spurenelemente Zink, Kupfer, Selen und Mangan. Sie sind die Grundlage für eine gesunde und widerstandsfähige Haut und sollten durch ein entsprechendes Mineralfutter zugefüttert werden, da die Gehalte im Grundfutter nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden sind.

Die Versorgung der Haut mit Schwefel sollte gewährleistet sein. Hierzu eignen sich schwefelhaltige Kräuter, vor allem aber der Knoblauch, der eine bekannt insektenabwehrende Wirkung besitzt. Allen Unkenrufen zum Trotz gehört Knoblauch mit seiner die Gesundheit befördernden Wirkung zum natürlichen Schutz gegenüber Endo- und Ektoparasiten in die Pferdefütterung.

Leider wird in angeblich wissenschaftlichen Untersuchungen vor Knoblauch gewarnt. Dass für eine solche Veröffentlichung in einer führenden Fachzeitschrift „American Journal of Veterinary Research“ Pferde einer maßlosen Knoblauchüberfütterung von sage und schreibe zwischen 120 und 160 Gramm gefriergetrockneter Knoblauch pro Pferd und Tag insgesamt 70 Tage lang ausgesetzt wurden, wird in den Medien verschwiegen, um so den arglosen Pferdebesitzer durcheinanderzubringen. 120 Gramm trockener Knoblauch entspricht etwa 6 bis Knollen Knoblauch, also weit über 50 Zehen Knoblauch.

Für die Hautgesundheit genügt bereits eine Menge von 5 bis 10 Gramm getrockneter Knoblauch täglich. Die Menge macht das Gift und in den letzten Jahren konnten sehr viele Pferde vor der Insektenplage dank Knoblauch geschützt werden. Allerdings wurde hier auch seitens der Pferdebesitzer oft über das Ziel hinausgeschossen.

Verwurmungsdruck durch Kräuter senken

Ein wichtiger Schutz vor Ektoparasiten sind erstaunlicherweise auch regelmäßige Wurmkuren und die Unterstützung und Stabilisierung des Darmtrakts gegenüber Endoparasiten wie Würmern. Es hat sich gezeigt, dass gerade Pferde, die zu Verwurmungen neigen, auch eher von Ektoparasiten attackiert werden. Die sich immer häufiger entwickelnden Resistenzen gegenüber Wurmmitteln stellt ein ernstzunehmendes Problem dar. Um den Verwurmungsdruck zu senken kann man mit speziellen Kräutermischungen, die unter anderem neben Knoblauch auch Zimt, Pfefferminze, Ingwer, Wermutkraut, Fenchel, Thymian und Walnussschalen enthalten, langfristig den Darm auf natürliche Weise gegen den Angriff von Würmern und somit auch die Haut gegenüber dem Angriff von Ektoparasiten unterstützen. Die hervorragende Kräuterwirkung soll aber nicht darüber wegsehen lassen, dass chemische Wurmmittel auch heute noch immer unumgänglich sind!

Ein gesunder, unbelasteter Darm zu verbesserter Hautgesundheit und macht es sowohl Zecken, Milben als auch Stechmücken schwerer zuzustechen. Diese suchen sich dann ihre Opfer lieber woanders.

Sauberkeit und Ordnung

Neben der Weidepflege (Mistablesen) gehört zu den fast schon vergessende Grundregel zur Verringerung der Präsenz von Ektoparasiten Ordnung und Sauberkeit im Stall, sowie ein weit entfernter Misthaufen und gut verpackte Futtermittel. Erst die Ordnung im Stall ermöglicht, dass man mit der Sauberkeit beginnen kann, sprich, dass gut gefegt und gewischt werden kann und so Mäusen und allem anderen Ungeziefer das Leben ungemütlich gemacht wird. Auch wir Menschen waren noch vor 200 Jahren verwanzt und von Flöhen übersäht, als Hygiene noch keinen großen Stellenwert hatte. So ist auch die tägliche Fellpflege des Pferdes mit Striegel und Kardätsche, das Waschen oder Putzen des Pferdes vor allem auch nach der Arbeit neben der Fütterung ein wichtiger Schritt, Parasiten vorzubeugen.

Dr. Susanne Weyrauch-Wiegand©